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Geschichte des schottischen Dudelsacks – The Great Highland Bagpipe


Wie so oft in der Geschichte sind sich Experten nicht sicher, wie der Dudelsack nach Schottland gekommen ist. Sicher ist, dass es Dudelsackinstrumente schon Jahrhunderte lang auf der ganzen Welt in irgendeiner Form gegeben hat. Dudelsackformen hat es in Ägypten, China, Persien, Indien, usw. gegeben. Bei den Römern war der Dudelsack Teil der religiösen Zeremonie aber auch ein Unterhaltungsinstrument. Heute gibt es Dudelsäcke in Frankreich, Italien, Spanien, Russland, ...: Aber auch in der österreichischen Volksmusik ist er vertreten,  z.B. durch den böhmischen Bock.


Es gibt verschiedenen Theorien wie der Dudelsack nach Schottland gekommen ist: Entweder durch Immigranten, die schon 3000 bis 2000 vor Chr. sich in Schottland oder Irland niedergelassen haben, oder durch römische Soldaten, die aus ganz Europa und Nord Afrika kamen.

Oder hatten die Kelten den Dudelsack unabhängig davon schon vorher erfunden?


Schriftlich erwähnt wird der Dudelsack in England und Schottland ab dem 12./13. Jh.

Später wird auch berichtet, dass ein „Ministrel“, ein Spielmann, bei der Schlacht von Bannockburn (bei Stirling) 1314 anwesend war, wobei auch hier nicht klar hervorgeht, ob da wirklich ein Piper gemeint ist.

Der erste König, der nachgewiesen Interesse am Dudelsack gezeigt hat, ist Jakob I (1394-1437). Und angeblich besaß sein Nachfolger Heinrich VIII (1491-1547) selber einige Pipe-Sets in seiner großen Instrumentensammlung.


Es haben sich verschiedenste Dudelsackarten auf der Insel entwickelt, wie z.B. die Lowland oder Border pipes, Northumberland pipes und eben auch die Great Highland pipe.


Viele Faktoren haben die Musik und die Musiktraditionen in Schottland geprägt und verschieden gemacht, so wie unter anderem die unterschiedlichen Umfelder (Land/Stadt), die Sprachen (Gälisch/Englisch) und auch die andersgeartete Geographie (Highlands und Lowlands).

Der Lowland Piper zum Beispiel hatte seine Wirkungsstätte in den Städten (Burgh Pipers = Stadtpfeifer). Eine seiner Aufgaben war es, morgens und abends spielend durch die Stadt zu marschieren um Tagesanfang und Ende anzukündigen (4 a.m. und 8 p.m.). Hingegen musste der Highland / Clan Piper auch in den Krieg ziehen, um einerseits seine Leute anzuspornen und anzuheizen und andererseits die Feinde zu verängstigen und einzuschüchtern.


Die Clans und die MacCrimmons

In den wenigen erhaltenen Überlieferungen in denen von Pipern die Rede ist, bemerkt man, welchen hohen Rang sie einnahmen. Jeder Clanchef besaß einen Piper in seiner Dienerschaft.

Die Piper hatten durchaus eine aktive und gefährliche Rolle: In der Zeit der Clankriege spielten sie auf den Schlachtfeldern und nicht selten griffen sie auch zur Waffe.

Aber sie hatten noch weitere Aufgaben: Sie spielten bei Ankunft und Abfahrt von Gästen und waren verpflichtet, in der Früh den Clanchef und seine Familie zu wecken.

In einem berühmten Gedicht beschreibt Mary MacLeod (eine der Hauptrepräsentantin der schottisch-gälischen Dichtung im 17.Jh.) ihr Leben in Dunvegan:

„The fiddle playing to put me to sleep, the pipe-playing to waken me in the morning“.


Es war Tradition, für besondere Anlässe spezielle Stücke zu komponieren: z.B. zu Ehren einer wichtigen Persönlichkeit oder zur Geburt eines Sohnes. Ganz besonders beliebt waren Auftritte zu Hochzeiten und bei Todesfällen bzw. Beerdigungen.

Die Piper waren stolze Persönlichkeiten: Sie waren dem Clanchef sehr nahe, hatten einen eigenen Diener, der die Pipe trug. Ihre Kleider wurden vom Clanchef bezahlt und oft bekamen sie auch ein Grundstück zur Verfügung gestellt. Außerdem wurde das Clanwappen an ihrer Pipe befestigt.


In diesem Zusammenhang sollte die Familie der MacCrimmons erwähnte werden.

Die MacCrimmons waren berühmte Piper des Clans der MacLeods in Dunvegan auf der Insel Skye. Die Piper dieser Familie behielten diese Stellung über 300 Jahre bei, durch Weitervererbung an die nächste Generation.

Die frühe MacCrimmon Geschichte kann nicht mehr rekonstruiert werden. Man vermutet, dass der erste MacCrimmon um 1500 auf der Insel Skye auftauchte. Den Legenden nach war dies Finlay, gefolgt von seinem Sohn Ian Odhar. Genaueres weiß man erst von Donald Mor (gest. ca.1640), mit dem der Ruhm der MacCrimmons beginnt. In Boreraig auf der Insel Skye gründete die Familie ein College of Piping. Für jeden guten Piper ist es damals ein Muss gewesen, dort zu lernen. Heute findet man dort noch ein Steinmonument.


Hauptsächlich waren die MacCrimmons für das Entstehen von Piobaireachd, der sogenannten „klassischen Musik der Great Highland Bagpipe“ verantwortlich. Piobaireachd (ausgespr.: Pibroch), auch genannt Ceòl mór, die große Musik, ist die Königsdisziplin unter Pipern, damals und auch heute noch. Sie bildet den Gegensatz zur kleinen Musik, Ceòl beag, wie zum Beispiel Märsche, Strathspeys, Reels, Jigs, usw.

Piobaireachd wurde allerdings mündlich überliefert, wie jede andere Volksmusik auch. Dies erfolgte nicht nur durch das Spiel, sondern vor allem durch eine Art „Silbensprache“, genannt Canntaireachd (gespr. kan-trach). Der Lehrer sang seinem Schüler die Melodie vor, bis dieser sie beherrschte und spielen sowie weiter vermitteln konnte. So wurde Piobaireachd von Lehrer zu Schüler weiter gegeben.

Dies führte später zu Schwierigkeiten, da diese Musik im Laufe der Geschichte in Vergessenheit geriet und nicht mehr überliefert werden konnte. Leider waren ja die Stücke davor nie genau notiert worden.

Trotzdem hat Piobaireachd überlebt: Ob dieser so klingt wie damals, werden wir wohl nie erfahren. Hauptsache ist aber, dass die Tradition weiter lebt.


Zum Schluss noch eine kleine Anekdote:

Die Piper gaben ihren Instrumenten gerne Namen, allerdings waren nicht immer schmeichelhafte dabei. So bezeichneten die MacCrimmons ihre Pipes als „oinseach“, was meist mit „Idiot“ übersetzt wird. Man weiß auch, dass Patrick Og seine Pipe „The Idiot“ nannte.

Andererseits beizeichnet „Oinseach“ auch ein weibliches Wesen mit einem etwas vulgären Hintergedanken:

„a loud squalling half-witted female who gives a squeal when you squeeze her“ (Eine laut kreischende dumme Frau, die einen Schrei loslässt, sobald man sie drückt).

In der gälischen Dichtung gibt es Aufzeichnungen über einen MacCrimmon mit seinem leannan (Sweetheart) unter seinem Arm. Die MacRay Piper aus Kintail nannten ihre Pipes maighdean (Jungfrau).


Irmgard Foglar


Quellen:

Nicola Wood, Scottish traditional music, Edinburgh, 1991

Hugh Cheape, The Book of the Bagpipe, Belfast, 1999

Roderik D. Cannon, The Highland Bagpipe and ist Music, Edinburgh, 2004

Bridget MacKenzie, Piping Tradition of the North of Scotland, Edinburgh, 1998

© Irmi Foglar

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